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Stand: 23.04.2014

Pressemitteilung

In Fritzlar voll integriert

Fritzlar (cif). Mit viel Sorgfalt hatten die Jugendlichen der Außenwohngruppe für unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) im großen Gemeinschaftszimmer eine stattliche Tafel mit Kaffee, Säften, Gebäck und Obst gedeckt. Rund um den Tisch im Haus vis-à-vis der Zentrale der Caritas-Jugendhilfe "Haus Carl Sonnenschein" in Fritzlar mussten dann auch zahlreiche Gäste Platz finden: Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke, der sich ein Bild von der Betreuung jugendlicher Flüchtlinge bei der Caritas-Jugendhilfe in Nordhessen machen wollte, wurde begleitet von Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch, Vorstandsmitglied Malte Crome, dem Ressortleiter Jugendhilfe, Dominique Vilmin, dem Ressortleiter Soziale Dienste und Flüchtlingsbeauftragen des Bistums, Franz Meyer sowie weiteren Referenten aus dem Bereich Soziale Dienste. Sie alle nahmen an dieser weiteren Etappe der "Tour de Caritas" teil, mit der immer wieder punktuell die Caritas-Flüchtlingshilfe in  den Blick genommen wird, und bei deren Exkursionen Generalvikar Stanke gerne auch die Gelegenheit nutzt, mit den Flüchtlingen direkt ins Gespräch zu kommen.

Gruppenfoto vor dem Haus der Außenwohngruppe: Die Jugendlichen mit den Vertretern der Caritas und des Bistums.  Gruppenfoto vor dem Haus der Außenwohngruppe: Die Jugendlichen mit den Vertretern der Caritas und des Bistums. C. Scharf/Caritas FD

Im Austausch mit den jungen Männern im Alter zwischen 15  und 17 Jahren machten sich zunächst der Generalvikar und die Caritas-Vertreter sowie die Jugendlichen der Wohngruppe miteinander bekannt. Saare aus Eritrea, Abdelman aus Syrien, Nasiv aus Afghanistan und alle anderen berichteten den Gästen, wie lange sie bereits in Fritzlar leben, in welche Schulklasse sei derzeit gingen und welche Berufspläne sie haben. Das sportliche Hobby "Fußball spielen" eint sie alle, und viele von ihnen sind ehrenamtlich in ein Gemeinschaftsprojekt der örtlichen Kirchengemeinde  eingebunden, wie der ebenfalls anwesende Diakon Andre Lemmer berichtete. Überhaupt - dies wurde schnell deutlich - scheinen sie alle gut im nordhessischen Städtchen Fritzlar verortet zu sein: Man kümmere sich in dem Städtchen intensiv darum, nicht nur die deutschen Kinder und Jugendlichen der Einrichtung, sondern eben auch diejenigen mit Fluchtgeschichte gut aufzunehmen, ihnen durch Integration in die örtlichen Vereine und berufliche Praktika Perspektiven aufzuzeigen und sie heimisch zu machen, berichteten Einrichtungsleiterin Ulla Mex sowie die beiden Bereichsleiter Paul Hillenbrand, der für die UMA-Außenwohngruppe zuständig ist, und Thomas Knobloch, der den Verselbständigungsbereich verantwortet, in dem deutsche wie ausländische männliche und weibliche Jugendliche in einer Wohngemeinschaft oder auch in Einzelwohnungen auf ihre "Entlassung" in ein selbstständiges Leben als Erwachsene vorbereitet werden. Erstaunlich wenige der Heranwachsenden, so Bereichsleiter Knobloch, ziehe es dann allerdings nach ihrer Zeit im Haus Carl Sonnenschein in die Ferne. Fast alle blieben in Fritzlar und Umgebung, Kassel wäre schon "das höchste der Gefühle". "Wahrscheinlich wollen sie nicht noch einmal das gerade wieder in Fritzlar gewonnene neue Heimatgefühl aufs Spiel setzen", mutmaßte er. 

Generalvikar Stanke überreichte allen Jugendlichen zum Dank für das Informationsgespräch einen Geschenkgutschein.Generalvikar Stanke überreichte allen Jugendlichen zum Dank für das Informationsgespräch einen Geschenkgutschein.C. Scharf/Carias FD

Auch der Verselbständigungs-Wohngruppe im Haus Carl Sonnenschein, in der unter anderen auch die beiden eritreischen Mädchen Helen (17 Jahre) und Rigat (15 Jahre) leben, statteten die Gäste aus Fulda einen Besuch ab, und Generalvikar Stanke überreichte den Jugendlichen -  wie zuvor auch schon in der Außenwohngruppe - als kleines Präsent einen Einkaufsgutschein. In der Verselbständigungswohngruppe, so erfuhren die Besucher, leben die Bewohnerinnen und Bewohner schon weitgehend autark, haben auch Schlüsselgewalt, müssen jedoch ihren Alltag (Schule, Ausbildung, Einkauf, Sauber-halten der Wohnung…) alleine bewältigen und werden von den Sozialpädagogen nur noch punktuell begleitet. Im Gespräch mit den anwesenden WG-lern gewannen die Vertreter von Bistumsleitung und Caritas jedoch den Eindruck,  dass alle jungen Leute ungeachtet dieser Pflichten der Eigenständigkeit auf dem besten Wege in ein eigenverantwortliches, erfolgreiches Leben sind.

Bei einem Abschlussgespräch mit Einrichtungsleiterin Mex, Diakon Lemmer und zu dieser Runde noch hinzugekommenen Vertreterinnen des Pfarrgemeinderates Fritzlar und der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer betonten Generalvikar Stanke und Caritasdirektor Juch, welch positiven Eindruck man von der Betreuung der jugendlichen Flüchtlinge in Fritzlar nach Fulda mitnehme. "Man spürt", so Markus Juch, "wie wohl und sicher sich die jungen Menschen trotz ihrer Biografie mit Fluchtgeschichte und trotz diesem Leben fern von alter Heimat und Familie fühlen. Es ist schön zu sehen, wie das gesamte Team im Haus Carl Sonnenschein diesen jungen Menschen ganz offensichtlich zu einem guten, neuen Start verhilft!"