Fulda (cif). Zu einem Fachtag „Neue Wege in angepasste Arbeit für Menschen mit Behinderungen“ hatte die Caritas Berufswege Fulda in ihre Fachstelle für berufliche Integration in der Fuldaer Innenstadt eingeladen. In seiner Begrüßung ging der Gesamtleiter Caritas Berufswege, Bernd Wystrach, auf das Anliegen des Fachtages ein, der unter das Motto „Inklusion bewirken“ gestellt war. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen sei durch die Ratifizierung im Jahre 2009 geltendes Recht auch in Deutschland, so Wystrach. Darin werde in Artikel 27 ausdrücklich auch das Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderungen gefordert, das es umzusetzen gelte.
Gespräch mit Referentin Marie Versteeg.
Mit der Arbeit in den Werkstätten leistet die Caritas nach den Ausführungen Wystrachs einen Beitrag, damit Menschen mit Behinderungen an Formen der Arbeit teilhaben können, die unter den Bedingungen der Betriebe am Allgemeinen Arbeitsmarkt so nicht möglich wären. Nichtsdestotrotz bestünde ein wichtiger Teil der Werkstattarbeit auch darin, für die dort Beschäftigten individuelle Wege hin zum Allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden und sie bei diesem Übergang gegebenenfalls zu unterstützen und zu begleiten.
Grundsätzliche Voraussetzung für die Optimierung der behindertengerechten Arbeitsplätze in den Werkstätten, aber auch in den Betrieben des Allgemeinen Arbeitsmarktes ist es sehr oft – das wurde während der Veranstaltung deutlich – dass die zu leistende Arbeit zergliedert und womöglich durch Hilfsmittel so angepasst werden muss, um für Menschen mit Behinderungen überhaupt zu bewältigen zu sein. Der Fachtag sollte speziell zu dieser Arbeitsplatzanpassung Informationen liefern.
Wie sehr die technischen Möglichkeiten, aber auch die pädagogischen Konzepte sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren weiter entwickelt haben, darüber berichtete Stefan Heyer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Fachbereich Automatisierungstechnik der Universität Bremen. Heyer stellte den Assistenzroboter FRIEND vor, der von der Uni Bremen entwickelt worden war, um Menschen, die in ihrer körperlichen Fähigkeit stark eingeschränkt sind, eine Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen und sie bei Aufgaben des täglichen Lebens zu unterstützen. Der Bremer Wissenschaftler veranschaulichte die Möglichkeiten dieses Hilfsmittels durch konkrete Fallbeispiele.
Weitere Referentin des Fachtages war Marie Versteeg aus Köln, die selbst in hohem Maße körperlich eingeschränkt ist. Sie nahm das Thema aus pädagogischer Sicht auf: „Zeig mir wie es geht! Tu es nicht für mich! Ich kann und will es selbst tun“, lauteten dabei ihre Ansätze und Appelle.
Christian Müller und Michael Schütz, beide Caritas-Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung, zeigten anschließend an praktischen Beispielen, wie Arbeitsaufträge von Betrieben aus der Region sinnvoll so zergliedert werden, dass Menschen mit Behinderungen diese möglichst selbstständig ausführen können. Patrick Oeffner vom Unternehmen Gripability aus Freiensteinau schließlich führte vor, wie innovative technische Hilfsmittel neue Wege zum adaptiven Arbeitsplatz ermöglichen können. Spezielle Greifsysteme zum Beispiel können zu erheblichen Verbesserungen bei der Unterstützung der Motorik von Menschen mit Behinderungen leisten. Es sind somit wirksame Assistenzen, um etwa die Handlungsfähigkeit von Menschen mit eingeschränkter Arm- und Handfunktion zu erweitern um damit deren Selbstständigkeit zu vergrößern. Oeffner: „Produktiv tätig sein zu können ist letztlich für uns alle ganz entscheidend in Bezug auf das Selbstbewusstsein und für die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen und am Arbeitsleben!“